Liebe Gemeinde,

"Wir sind das wahre Jamaika" - so heißt es am kommenden Samstag bei unserem Gemeindefasching. Auf dieses Thema kamen wir durch die verworrene Situation, in  der sich unser politischer Alltlag in diesen Wochen und Monaten befindet. Vielleicht fragt sich mancher: Muss es denn überhaupt Regierungen geben?. Es läuft doch z. Z. auch ganz gut ohne. Brauchen wir denn übergeordnete Einrichtungen, die versuchen, unser Leben zu reglementieren? Brauchen wir eigentlich Gebote und Verbote, die unser Leben doch meist nur behindern? Sicher haftet uns Menschen ein maßloser Freiheitsdrang an, den wir im Leben voll auskosten möchten. Aber sind wir einmal ganz ehrlich. Am Ende kämen wir damit nicht zu Rande. Jeder würde tun, wie es ihm beliebt - auch auf Kosten anderer. Eigentlich käme ein Kraftfahrer auch mit dem Paragraph 1 der Straßenverkehrsordnung aus, wenn er ihn bis ins Detail befolgen würde. Da es aber mit der Höflichkeit, der Nächstenliebe und der gegenseitigen Vorsicht im Straßenverkehr nicht funktioniert, sind die anderen Paragraphen schon notwendig, dass eine gesicherte Ordnung auf unseren Straßen herrscht und so einigermaßen Sicherheit für Leib und Leben garantiert sind. Unsere weltverbessernden Diskussionen über eine heile Welt funktionieren zumeist nur am Stammtisch oder in ähnlichen Gesprächsrunden. Nun sind wir Menschen eben doch auf Gemeinschaft angelegt. Keiner kann für sich eine einsame Insel beanspruchen. Von Geburt an sind wir auf das Miteinander angewiesen. Und in dem Miteinander haben wir unsere verschiedenen Aufgaben und Fähigkeiten, sei es als Handwerker, Lehrer, Künstler, Arzt, einfacher Arbeiter oder auch als Elternteil in einer Familie. Jeder weiß, was er da zu tun hat, auch wenn es manchmal schwer fällt und man gern aus seiner Haut heraus möchte. In dieser Aufzählung habe ich die Politiker nicht genannt. Sind sie wirklich immer die schwarzen Schafe in unserer Gesellschaft? Ich denke, es gibt in diesen Gruppierungen auch viele weiße Schafe, die eben nicht darauf aus sind, das Volk zu betrügen. Wir haben sie vor einigen Monaten in unserem Land gewählt. Sie haben unser  Vertrauen, dass sie das Volk nicht ins Verderben führen wollen. Trauen wir ihnen doch auch einmal zu, dass sie es ehrlich meinen. Und wem das zu unsicher erscheint, dem rate ich, vergesst auch unsere Politiker nicht in Euren Gebeten.
Das meint Ihr Pfr. i. R.
Joachim Vockrodt